Carlton Richmont – Das Geheimnis

 

Carlton & Richmont – Das Geheimnis
Chapter I
Das Kennenlernen
– Richmont –

01.01.2017

01:23 Uhr

Meine ausgezogenen High Heels, die ich in der Hand trug, schlugen mit jedem Schritt aneinander als ich durch das feierende Paris zog. Ich liebte es schon immer, nach einer durchgetanzten Nacht barfuß nach Hause zu gehen. Nicht, dass ich es mir nicht leisten konnte, ein Taxi zu bestellen – dem widersprach allein die Tatsache, dass meine Louis Vuitton einen vierstelligem Wert enstprachen und jetzt sinnlos an meiner Hand hingen – ich mochte es einfach alles nochmal durchzugehen, was ich beim Weggehen erlebt hatte.

Meist handelte es sich um kurze und dreckige Männererlebnisse, jedoch kreisten heute meine Gedanken etwas weiter zurück.

Ich hatte mir bereits am Anfang des Abends auf spielerische Art und Weise einen CEO einer Fluggesellschaft angelacht.

Im Grossen und Ganzen hatte ich noch nie Probleme mir einen Kerl klar zu machen. Meine große schlanke Statur, wurde durch mein langes blondes wallendes Haar bereits in jungen Jahren abgerundet. Da Silvester war, hatte ich roten Lippenstift aufgelegt. Dies hatte einen simplen Hintergrund. Gesehen werden. Meine große Liebe hatte mich betrogen und nachdem ich seine Sachen auf die Straße geworfen und angezündet hatte, wollte ich mich zumindest mit Paukenschlag und Trommeln von diesem scheiß Jahr verabschieden- und zwar mit sinnlosem Sex.

Mein Plan war es gewesen, es pünktlich um Mitternacht knallen zu lassen- damit meine ich jedoch natürlich keinen Sekt.

Um 23:30 Uhr betrat ich die Damentoilette um einen letzten Check vor dem Finale zu machen.

Eine dunkelhaarige, kleine und zierliche Frau stand vor dem Spiegel und war mit sich selbst beschäftigt. Sie schwankte leicht und zupfte nacheinander jede einzelne Haarsträhne zurecht- wobei ich mir nur dachte: „Das macht die Sache nun auch nicht mehr besser. Hättest du lieber mal weniger Champagner getrunken.“

„Entschuldigen Sie bitte könnte ich kurz…“

Weiter kam ich mit meinem Satz nicht, denn die betrunke Frau bohrte ihren Absatz in meinen Fuß.

„Können Sie nicht aufpassen?!“ schrie ich sie an.

Sie musterte mich von unten bis oben, setzte ein süffisantes Lächeln auf und sagte: „Schätzchen, du brauchst gar nicht anzufangen dich aufzuhübschen. Allein deine schlechte Haarverlängerung spricht Bände für sich.“

Ich starrte sie an. Dieses dumme Miststück, hatte gerade wirklich meine neue 1.300€ Haarverlängerung schlecht gemacht.

Ich sah sie an, hob das Kinn und sagte in ruhigem Ton zu ihr: „Wenigstens erkennt man bei mir erst, dass es sich um eine Haarverlängerung handelt, wenn man auf zehn Zentimeter Nähe kommt. Mit deinen Zotteln stehst du hier bestimmt schon eine halbe Stunde und es sieht immer noch aus wie ein toter Waschbär.“

Sie funkelte mich mit ihren dunklen Augen an.

Plötzlich begann sie zu lachen und streckte mir ihre Hand hin.

„Ich heiße Elly. Schön mal die Bekanntschaft von einer anderen Frau zu machen, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Meld dich mal bei mir.“

Bevor ich etwas sagen konnte, hatte sie mir einen Zettel mit ihrer Nummer in die Hand gedrückt, sich immer noch lachend umgedreht und war aus der Tür gerauscht.

Als mir das einfiel, begann ich hecktisch in meiner Clutch nach dem Zettel zu wühlen. Ich war so beschäftigt gewesen, mir ein kurzes Vergnügen zu verschaffen- und es war wirklich kurz im zweifachen Sinne- dass ich gar nicht mehr als Elly gedacht hatte.

Nach einer gefühlten Ewigkeit fand ich ihn endlich.

„Elisabeth Carlton. Meld dich du Zicke.“

Ihre Nummer war kaum zu entziffern.

Jedoch beschloss ich sie morgen anzurufen… diese Carlton die mir innerhalb von dreißig Sekunden den Wind aus den Segeln genommen hatte.

Carlton Richmont – das Kennenlernen
“ Part II Carlton “

Wir wünschen viel Spass beim lesen.
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Das Band selbst beinhaltet nicht nur Text, sondern auch Bildmaterial und künftige Kauf- links, welche im Buch erwähnt werden.

Und nun zum Part “ Carlton“

Carlton & Richmont – Das Geheimnis
Chapter I
Die erste Woche im neuen Leben / Das Kennenlernen
– Carlton –
05.01.2017

Die erste Woche im Jahr 2017 neigte sich bereits dem Ende zu und bisher hatte ich meinen Neujahrsvorsatz noch nicht wirklich umgesetzt.
Ich hatte erst mal drei Tage gebraucht und meinen Kater von der Silvesterfeier auszukurieren um behaupten zu können, dass ich keinen Restalkohol mehr in meinem Körper hatte. Meine programmierte Kaffeemaschine schaltete sich jeden Morgen um sieben Uhr ein, wie auch jetzt. Ich sah zu, wie die dunkle köstliche Flüssigkeit in langsamen aber stetigen zwei Strömen in meinen Becher floss. Ich nahm die Tasse und ging mit meinem dampfenden Kaffee an die große Fensterfront meiner Penthousewohnung, welche im Herzen von Paris lag.
Diese Wohnung hatte Alfredo damals zu unserem fünften Hochzeitstag für mich gekauft. Als ich an den Namen dachte, versetzte es mir einen Stich ins Herz und ich begann an die wenigen Bruchstücke zu denken, welche mir zur Silvesternacht allmählich wieder einfielen.

Da stand ich nun. In einem viel zu engen Kleid und in viel zu unbequemen hohen Schuhen am Geländer im „Millenium“, dem angesagtesten Club im gesamten Paris, und blickte in die tanzende Menge. Ich hielt bereits mein fünftes Glas Champagner in der Hand und ich merkte, wie meine Konzentration immer mehr hinter leichten Nebelschwaden in meinem Kopf verschwand.
Das letzte Mal war ich vor sieben Jahren mit Alfredo hier.
Und nun wieder – einen Tag nach meiner Scheidung von ihm.
Ich wusste immer noch nicht ob ich mich über meine wiedergewonnene Freiheit freuen sollte und in meinem Gehirn spielte sich seit fast 24 Stunden immer die gleiche Szene ab.
Alfredo und ich. Im Gerichtssaal. Das erste mal, dass wir nicht nebeneinander saßen um gemeinsam gegen einen Feind zu kämpfen. Die Feinde waren wir dieses mal selbst.
Es lief alles so schnell ab, als hätte jemand in meinem Leben die Vorspul – Taste gedrückt, wie damals an den Videorecordern. Im nächsten Augenblick, bedachte mich Alfredo nur noch mit einem eiskalten Blick und ging Richtung Auto. Am Arm hängend seine neue Frau Clara. Die deutsche Blondine, die er in einem Stripteaselokal auf Geschäftsreise kennengelernt hatte. Sie blickte zu ihm auf wie ich damals, bevor ich ersetzt wurde, und genauso würde es Clara auch ergehen.
Der laute Bass holte mich zurück in die Realität. Dieses mal würde kein Alfredo unten in der Menge stehen und mir eine Kusshand hochwerfen. Selbst diese Geste hatte mich damals erregt. Sie gehörte zu einem unserer Spielchen. Für die Öffentlichkeit waren wir das perfekte Paar. Sobald keiner hinsah, riss er mich an sich und drückte mich in Ecke um mich grob zu küssen. Dabei stachen mir immer die Bartstoppel seines Dreitagebartes in die Haut und hinterließen kleine Male. Oft schafften wir es nicht mal mehr wirklich aus dem Taxi bevor’s zur Sache ging.

Als ich alles Revue passieren ließ, stieß mich aus Versehen ein großer blonder Mann an.
„Oh verzeihen Sie bitte Madame. Dies war nicht meine Absicht. Ich hoffe Sie haben sich nicht durch meine Tollpatschigkeit wehgetan.“
Ich murmelte etwas davon, dass nichts passiert sei und wandte mich ab ohne ihm weiter Beachtung zu schenken.
In diesem Moment wurde mir klar, dass ich die Schultern straffen musste und beschloss mich Richtung Toilette zu begeben, um wieder etwas klarer im Kopf zu werden und meine Frisur zu kontrollieren.

Als ich vor dem Spiegel stand und meine neugewonnene Haarpracht zu richtigen, welche ich mir gestern nach dem Termin machen ließ, sprach ich mir selbst immer wieder Mantras zu.
„Scheiß‘ auf diesen Italiener. Männer gibt es wie Sand am Meer. Der hat dich überhaupt nicht verdient.“
Um mich selbst zu bestärken, kippte ich mein Champagnerglas in einem Zug leer und bemerkte mir hinter nur einen spitzen Aufschrei. „Können Sie nicht aufpassen?!“
Da stand sie. Eine große Blondine. Eine Frau wie Alfredo sie schon immer mochte.
Ich sah sie abschätzend von oben bis unten an. Vor allem ihre blonde wallende Mähne fiel mir ins Auge – genau wie ihre Extensions, die strähnig vom Kopf hingen. Ich sprach in einem ruhigen Ton zu ihr: „Schätzchen, du brauchst gar nicht anzufangen dich aufzuhübschen. Allein deine schlechte Haarverlängerung spricht Bände für sich.“. „… und würde Alfredo gefallen“, dachte ich bei mir.
Sie stand da, starrte mich fassungslos an. Was Sie genau zu mir sagte fiel mir jedoch nicht mehr ein. Ich weiß nur noch, dass Sie mich als „Waschbär“ bezeichnete.

Beschwipst wie ich war, musste ich total darüber lachen, weil ich mir selbst einen Waschbären auf meinem Kopf vorstellte. Wie sich der wohl festhalten würde?
Auch danach fehlten mir einige Bruchstücke des Abends.
Ich weiß nur noch, dass ich aus der Damentoilette torkelte,auf dem Weg zu Champagner Nummer sechs und mit einem Mann zusammenstieß.
Ich murmelte was von „Entschuldigung“ und ging weiter. Ich merkte jedoch wie seine Blicke mich verfolgten und halb durchbohrten.
Hätte ich damals schon gewusst, welchen Einfluss dieser Mann auf mein Leben haben würde, hätte ich auf das Glas Nummer sechs verzichtet und mich gleich auf die gleichnamige Aktivität gestürzt.

Carlton & Richmont – Das Geheimnis
Chapter II
Warum Frauen Make-up lieben
-Richmont-

Ich wuchs in einem behüteten Elternhaus mit meinen zwei Geschwistern auf – mit meinem älteren Bruder Cliff und meiner jüngeren Schwester Vivienne.
Unser Vater hatte meine Mutter auf einem High Society- Event kennen und lieben gelernt. Meine Eltern hätten nicht unterschiedlicher sein können. Mein Vater war zu diesem Zeitpunkt bereits 45 Jahre alt, Amerikaner , zweifach geschieden und dick im Geschäft. Was er genau arbeitete , wissen wir bis heute nicht – weder meine Geschwister noch meine Mutter. Er bezeichnete sich selbst immer als „Zwischenhändler“. Wirklich legal sind und waren die Abwicklungen wohl nicht.
Meine Mutter war damals gerade 23 Jahre alt geworden und besuchte mit einer Freundin zum ersten Mal New York City. Wie es der Zufall wollte , hatten die beiden ein paar Tage zuvor beim Weggehen jemanden kennengelernt , der sie zu einer mysteriösen Party einlud. Es stellte sich im Nachhinein heraus , dass es sich um den Gastgeber selbst handelte. Er sagte nur zu Ihnen: „Zieht euch etwas chices an!“
Und das taten die Beiden. Zum Glück für meine Mutter, sonst wäre sie meinem Vater nie aufgefallen- der sich schon immer eher in das Aussehen als in den IQ einer Frau verliebt hatte. Dies erklärt auch übrigens seine zwei gescheiterten Ehen zuvor. Die Schönheit war verblasst und mein Vater stellte erstaunt fest, dass seine Gattinnen dumm wie Brot waren. Und was will ein Mann schon mit einer hässlichen und blöden Frau ?
Bis heute sagt meine Mutter übrigens: „Frauen verlieben sich in das was sie hören und Männer in das was sie sehen. Das ist der Grund, weshalb Männer lügen und Frauen sich schminken.“
Vor ein paar Jahren, las ich diesen Spruch übrigens auf einem Cover. Meine Mutter ist also nicht die Erfinderin , jedoch habe ich diesen Rat immer beherzigt.

Ich habe schon von frühester Kindheit auf gewusst , dass man dort nachhelfen musste , was Gott übersehen hatte.
Dazu gehörte eine Nasenkorrektur mit frischen achtzehn Jahren, sowie diverse kleinere Eingriffe. Worauf ich jedoch immer besonders Acht gab waren zwei Dinge:
– die Hände, weil man diesen den Leuten zum ersten Kontakt reichte
– die Haarpracht, weil diese optisch als erstes auffiel

Ich drehte nachdenklich eine Locke, meiner langen Haare, mit den Fingern ein. Neben mir dampfte eine frische und heisse Tasse Kaffee. Vor mir aufgeklappt der Laptop und ein leeres Worddokument, welches ich schon längst gefüllt haben sollte, da mein Abgabetermin immer näher rückte und mein Chefredakteur leider schwul war und somit nicht auf meine Reize reinfiel.
Ich hatte versucht diese Carlton anzurufen, jedoch war die von ihr angegebene Nummer nicht vergeben. Ich zog eine Schnute und balancierte dabei einen Kulli zwischen Nase und Oberlippe. Eigentlich hätte es mich nicht wundern sollen, dass sie mir die falsche Nummer gegeben hat. Immerhin konnte sie noch kaum gerade stehen und wer weiß wie lange sie noch auf der Party war.
Cliff war bis zu den frühen Morgenstunden auf der Silvesterparty. Ein Draufgänger und Casanova wie er im Buche stand. Dies hatte er mit hoher Sicherheit von unserm Vater geerbt. Von daher plane ich nicht mal ein gemeinsames Taxi, wenn ich mit Cliff ausgehe , da er dafür einfach zu unverlässlich ist und lieber jedem Rock nachsteigt.

Als ich vor mich hingrübelte, riss mich ein schrilles „Pling“ aus meinen Tagträumen.
„Wenn man vom Teufel spricht…“, knurrte ich leise vor mich hin und sah, dass Cliff mir eine Nachricht geschickt hatte.
„Hey mein liebstes Schwesterherz.“
Ich stockte. Das letzte Mal als eine Nachricht so anfing, musste ich ihn aus Las Vegas gegen Kaution bei der Polizei abholen. Naja nicht ganz . Gegen Kaution und etwas eigennützigem Spaß mit dem mexikanischstämmigen Polizeiofficer.
Ich las weiter. „Hast du übermorgen Zeit zum Brunch? 12:30 Uhr. Wie immer. Ich habe schon reserviert. Sei gespannt!
Beso,
Cliff“
„Wie immer“ bedeutete unser Stammlokal in Frankreich. Was für mich wiederum bedeutete, dass Cliff immer noch hier war und nicht bereits wieder um die Welt reiste um „Geschäfte abzuwickeln“. Ich glaube der Einzige, der wirklich wusste, um welche Geschäfte es sich handelte, war unser Vater.
Eine Überraschung endete Erfahrungsgemäß bei Cliff nie bei etwas Gutem. Bei der letzten Überraschung hatte er einen sechsstelligen Betrag in eine Firma investiert, welche nach zwei Wochen wie vom Erdboden verschluckt war.
Ich sah aus dem Fenster. Es begann zu nieseln. Der Latop stand immer noch aufgeklappt vor mir und der Strich im Programm blinkte und mahnte mich zum Schreiben.
Ich tippte ein kurzes: „Okay. Ich bin da. Meg“ und sendete es ab.
Vielleicht konnte es mich von meiner Schreibblockade ablenken.
Ich sah wieder aus dem Fenster und bemerkte, wie sich der Nieselregen in ein Unwetter verwandelte.

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