Ist ein geschriebenes Wort ehrlicher?

Ist ein geschriebenes Wort ehrlicher?

Eine Kolumne unserer Gastautorin Julia

Warum schreiben manchmal ehrlicher ist, als man in der Realität je sein könnte.

Dazu möchte ich eins vorab klären :
Ich mag es nicht, dass meine Freunde meine Artikel lesen. Mir ist das irgendwie unangenehm. Am schlimmsten ist es für mich, wenn sie die Artikel vor meiner Nase lesen.
„Oh! Du hast etwas geschrieben! Warte kurz!“

Das Gefühl das ich dabei habe, ähnelt stark meiner Schulzeit. Wenn man nicht gelernt hatte- der Lehrer die Liste durchging – und man die gefühlten zehn Minuten betete, dass nicht der eigene Name fiel, weil man absolut unvorbereitet war. Und wenn der unheilvolle eigene Name fiel und man an der Tafel stand und sich nur dachte:
„Der denkt bestimmt gleich von mir ich bin dumm und gibt mir eine sechs.“

Auf gut deutsch : Das Herz rutscht einem in die Hose.
Und genau dieses Gefühl habe ich jedes mal, wenn jemand meine Artikel vor mir liest.
„Was denkt er sich gerade dabei? Bei welchem Teil wird er wohl gerade sein? Lächelt er, weil er es gut oder lächerlich findet?“ Dies sind nur wenige meiner Gedanken, die ich beim Beobachten habe.

Meine Rezessionen auf die bisherigen Beiträge meiner Kolumne sind durchwachsen aber für mich durchaus interessant.
Auch witzig finde ich die unterschiedlichen Meinungen zu den Artikeln und wie sich dabei die Geschlechter unterscheiden.

Frauen erkennen sich schneller wieder in Texten und ich unterhalte mich dann mit ihnen darüber. Mir hilft es zu reden, damit ich Dinge, die mich beschäftigen, klarer sehen zu können. Ich hoffe es geht ihnen dabei auch so.
Männer jedoch sagen fast immer das Gleiche zu mir:
„Wie kannst du so ehrlich schreiben?“

Ich habe die letzten Tage darüber nachgedacht und bin zu einem Entschluss gekommen.

Ich bin nicht ehrlicher als in der Realität. Ich drücke mich anders aus, da man meine Emotionen nicht sieht.

Der einzige Vorteil, den das Schreiben im Vergleich zum Quasseln mit sich bringt ist, dass man sich überlegt was man schreibt.
In Zeiten von WhatsApp und anderen Optionen sich kostenfrei zu kontaktieren, hat das geschriebene Wort an Wert verloren.

Jeder der jemals einen handgeschriebenen Liebesbrief bekommen hat, weiß wovon ich spreche.
Ich habe alle meine Liebesbriefe in einer Box aufbewahrt. Irgendwann kann ich diese Box meinen Enkelkindern zeigen und sagen:
„Guck mal wie begehrt deine Oma war! Guck was ich ihnen Wert war. Zeit.“
Diese Wirkung wird eine WhatsApp-Nachricht nicht erzielen. Davon abgesehen was es zu diesem Zeitpunkt bereits gibt.

Denn geschriebenes braucht Zeit.
Sobald man in etwas Zeit investiert, macht man es mit Emotionen.
Gefühle brauchen Zeit um zu wirken.

Mein Resultat zu der Kolumne ist:
Investiere Zeit in Dinge, die dir Spaß machen und dich erfüllen.
Verliere keine Zeit, denn Zeit ist begrenzt. Bei jedem von uns.

Schreibe, wenn es dir schwerfällt darüber zu reden.
Nutze das Schreiben für dich um ehrlicher zu deinen Mitmenschen zu sein… und vor allem zu dir selbst.

Genau das, macht sich nämlich auch gerade bei mir bemerkbar und verändert mich.
Jedoch nicht zum Negativen und das soll so bleiben.

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